Der Gotthard-Basistunnel: Ein Projekt der Superlative und seine Vorgeschichte

Der Gotthard-Basistunnel: Ein Projekt der Superlative und seine Vorgeschichte

Am 2. Juni dieses Jahres wird ein neuer Rekord eines Großbauprojekts gefeiert: der längste und tiefste Eisenbahntunnel der Welt, der Gotthard-Basistunnel, wird eröffnet. Er erstreckt sich über 57 km, läuft durch die Alpen und verbindet den Süden mit dem Zentrum der Schweiz. Der Bau begann 1999, allerdings reicht seine Vorgeschichte viel länger zurück: ein erstes Konzept wurde bereits 1947 vom Ingenieur und Stadtplaner Carl Eduard Grunel in Basel konzeptualisiert.

Die (Bau-)Geschichte des Gotthard-Basistunnels ist Teil einer größeren Entwicklung, die das Zusammenspiel von Konsultationen und Kompromissen mit Bezug auf Großprojekte auf regionaler und Landesebene widerspiegelt.

Der Gotthard-Basistunnel bildet den zentralen Bestandteil der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT), die den Eisenbahntransport zwischen Nord-und-Südeuropa weiter fördern soll. Zusammen mit der Fertigstellung des Ceneri-Basistunnels (Fertigstellung 2020, ebenfalls Teil von NEAT) wird sich die Fahrzeit durch die Alpen zwischen Mailand und Zürich um 45 Minuten verkürzen.

Gotthard_Basistunnel

Bild: Gotthard Basistunnel von Ingenieurlösungen (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Vorgeschichte eines Großprojekts: Die Alpen-Initiative

In der Schweiz gibt es seit Jahrzehnten Diskussionen über den Schutz der Alpen vor zu großer Verkehrsbelastung. Die Schweiz hatte zunächst versucht, den Schwerlastverkehr durch die Alpen zu begrenzen, traf aber auf Widerstand der Europäischen Union. Das am 2.Mai 1992 geschlossene Transitabkommen zwischen der Schweiz und der EU regelte Details des Verkehrsaufkommens und beinhaltete u.a. das NEAT-Konzept.

Die Schweizer Wählerinnen und Wähler haben kurz darauf den Bundesbeschluss über den Bau der schweizerischen Eisenbahn-Alpentransversale mit einer Mehrheit von 64% angenommen: Damit war die Grundlage für den Bau der Achsen Gotthard und Lötschberg gelegt.

Die Diskussion um den Gotthard-Basistunnel ist zudem in einem engen Zusammenhang mit der sogenannten Alpen-Initiative zu sehen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die alpine Landschaft vor negativen Auswirkungen des Transitverkehrs zu schützen: und zwar durch die Verlagerung des Schwerlastverkehrs auf die Schiene und den Verzicht von Neubauten alpiner Transitstraßen.

Seit Ende der 1980er Jahre hat sich die Alpen-Initiative für ihre Forderungen eingesetzt, u.a. mit der Sammlung von mehr als 100.000 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern, die die Ziele der Initiative unterstützten.Nachdem Bundesrat und Nationalrat die Initiative zunächst abgelehnt hatten, war es 1994 dann schließlich doch soweit: Mit einer Mehrheit von 954,433 (52%) Ja-Stimmen wurde die Alpen-Initiative angenommen und in die Schweizer Bundesverfassung aufgenommen.

Die Volksinitiative  ist ein gutes Beispiel für die direkte Demokratie in der Schweiz, die unter anderem auch andere Verfahren wie die Volksabstimmung und das Referendum vorsieht.

Die Anliegen der Schweizerinnen und Schweizer, Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, wurde auch in einem 1998 angenommenen Gesetz zur Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) bekräftigt. Diese Abgabe trägt massiv zum NEAT-Projekt bei.

Auf der “Langstrecke” alle mitnehmen: Nachhaltige Beteiligung

Steakholder wie z. B. Umweltschutzorganisationen wurden umfangreich bei den Planungen zu den NEAT-Projekten einbezogen Die Bauherrin AlpTransit Gotthard verweist z. B. auf die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Schweizerischen Umweltschutzorganisationen (USO).

Im sogenannten “Vernehmlassungsverfahren” haben Einzelpersonen, Unternehmen, Organisationen usw. die Möglichkeit, sich zu Projekten der Regierung zu äußern (vgl. ausführliche Darstellung und Vergleich mit Deutschland Cicero 04.04.2012). Eine Auswahl entsprechender Eingaben zu NEAT findet sich auf den Internetseiten der Schweizer Bundesversammlung.

Zusätzlich wurden Informationen über die Projekte in verschiedenen Formaten öffentlich zur Verfügung gestellt, dazu zählten etwa Ausstellungen, Informations- und Besucherzentren des Gotthard-Basistunnels sowie ein Film über das Projekt.

Nachhaltige (Bürger-)Beteiligung bei einem Großprojekt

Die Geschichte des Gotthard-Basistunnels und der Projekte, in die er eingebettet ist, ist eine sehr beachtliche Leistung, nicht nur in technologischer Hinsicht, sondern auch was die politischen Meilensteine angeht. Konsultationen “auf Augenhöhe” wurden in den verschiedenen Projektphasen durchgeführt, getragen von einem Gemeinschaftssinn und dem allgemeinen Bewusstsein, dass die Wünsche der Wählerinnen und Wähler das letzte Wort haben – und nur so können Projekte dieser Größenordnung letztlich nachhaltig umgesetzt werden.

 

Quellen und Links zum Weiterlesen:

Informationen der Projektverantwortlichen Bundesamt für Verkehr BAV, Bern, der SBB AG und der AlpTransit Gotthard AG: www.gottardo2016.ch/de

Gotthard-Basistunnel – ein Tunnel ohne Grenzen (swissinfo.ch)

AlpTransit Gotthard AG: Chronologie eines Jahrhundertprojekts. Meilensteine der Baugeschichte bis 2015 (PDF)

Bisher keine Kommentare.

Bisher hat niemand einen Kommentar verfasst.

Leave a comment