Die INSPIRE-Richtlinie

Mit INSPIRE wird die europäische Idee des freien Austausches und der Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten auf der Ebene von Geodaten und E-Government umgesetzt. Entscheidungen, z.B. bei Umweltproblemen oder bei Investitionen im Rahmen von Bauvorhaben, sollen schneller und zuverlässiger getroffen werden können.

INSPIRE: Einheitliche „Sprache“ für Geodaten

INSPIRE steht für “Infrastructure for Spatial Information in Europe”. Die EU-Richtlinie zur Vereinheitlichung raumbezogener Daten wurde 2007 vom EU-Parlament verabschiedet und ist mit dem “Gesetz über den Zugang zu digitalen Geodaten” (kurz “Geodatenzugangsgesetz”) 2009 in Deutschland in Kraft getreten.

Geodaten sind generell gesprochen Informationen, die eine bestimmte Position oder Fläche auf der Erdoberfläche beschreiben. Das können z.B. Informationen zur Topographie, zu Gewässern, Verkehrsnetzen, Naturschutzgebieten oder zur Bevölkerung sein, um nur einige wenige zu nennen.

Mit INSPIRE sollen Geodaten in der Europäischen Union nun “dieselbe Sprache sprechen”. In Deutschland erstellte Daten sollen z.B. auch in Portugal und dem Rest der EU verstanden und verwendet werden können. Darüber hinaus richten alle EU-Mitgliedsstaaten Infrastrukturen ein, die den Zugriff auf Geodaten europaweit ermöglichen. Diese Geoportale sind von überall aus über das Internet erreichbar und haben standardisierte Funktionalitäten, z.B. für die Suche nach einzelnen Datensätzen.

INSPIRE-Konformität: Metadaten und Dienste

Die INSPIRE-Regelungen betreffen neben den EU-Institutionen auch alle öffentlichen Stellen in den Ländern, sofern sie Geodaten produzieren oder bereitstellen (“geodatenhaltende Stellen”). In Deutschland sind neben den Bundes- und den Landesbehörden insbesondere auch die Kommunen am Zuge.
Was eingangs als “gemeinsame Sprache sprechen” beschrieben wurde, umfasst in der Praxis mehrere Schritte: Geodaten werden mit Metadaten ausgezeichnet, d.h. sie werden einheitlich mit einer Reihe Angaben beschrieben, wie z.B. dem Erstellungszeitpunkt oder dem Verwendungszweck. Anhand der Metadaten können Geodaten prinzipiell einfacher verwendet und gefunden werden, europaweit. Die einzelnen Geodatensätze müssen anhand verschiedener Funktionen (sog. Dienste) angesprochen werden können, z.B. um sie in einer Karte online anzuzeigen (Darstellungsdienst) oder sie zum Download (Downloaddienst) anzubieten. Sind die dargestellten Bedingungen erfüllt, gelten Geodaten als “INSPIRE-konform”.

Angewendet werden die INSPIRE-Anforderungen auf die Themengebiete, die in den Anhängen I – III der Richtlinie aufgeführt sind (hier einige Beispiele: Anhang I, Anhang II, Anhang III) (PDF).

INSPIRE-konforme Geodaten bis 2020

Die Konformität – also die Auszeichnung der Geodaten mit Metadaten und die Bereitstellung über verschiedene Dienste – muss nicht rückwirkend für alle Geodaten z.B. einer Kommune hergestellt werden. Ausschließlich analog vorliegende Informationen (z.B. alte Karten und Pläne auf Papier) sind von der Richtlinie ausgenommen. Ansonsten müssten alle Geodaten zunächst digitalisiert und anschließend neu digital erfasst werden. Alle Geodaten, die bereits digital vorliegen und unter die Themenfelder von INSPIRE fallen müssen hingegen INSPIRE-konform beschrieben und vorgehalten werden.
Trotzdem bedeutet INSPIRE insbesondere für kleinere “geodatenhaltende Stellen”, wie Gemeinden oder Amtsverwaltungen, einen großen finanziellen und organisatorischen Aufwand. Der Wechsel hin zu INSPIRE-konformen Geodaten muss jedoch in den nächsten Jahren (bis 2020) vollständig vollzogen werden.

Lesen Sie im nächsten Artikel zu INSPIRE, wie in Deutschland auf der kommunalen Ebene der Schritt zu INSPIRE vollzogen werden kann.

Weiterführende Links:

INSPIRE-Einführung (Video)

Zeitplanung für die Umsetzung von INSPIRE (Bundesamt für Kartographie und Geodäsie)

Einsatz von Geoinformationenin den Kommunen (PDF; Studie, u.a. vom Deutschen Städtetag)

Zum Autor:

Hannes Rudzik ist Projektmanager bei DEMOS. Er betreut u.a. Bauleitplanung Online-Beteiligung Schleswig-Holstein (BOB-SH).

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